#GemeinsamEinenSchrittVoraus – soziale Distanz

Social Distancing 2.0

Eine der wohl einschneidendsten Maßnahmen während eines Lockdowns ist der Aufruf zur Sozialen Distanz oder Social Distancing. Ein Verzicht auf Interaktion mit Familie, Freunden, Arbeitskollegen und Fremden. Wir erinnern uns, 25 % weniger soziale Kontakte bedeutet eine Halbierung der Ansteckungszahlen. Der bisherige Trend zu Großraumbüros, Desk-Sharing und offenen Sozialraum-Konzepten zur Förderung der Kommunikation und Interaktion zwischen vielen Menschen stellt uns vor neue Herausforderungen. Es wird in Zukunft nicht mehr darum, Menschen zur Interaktion zu animieren. Es wird vielmehr darum gehen Wege zu finden, dies in einem hygienischen und sicheren Umfeld zu ermöglichen.

Der bereits dritte Lockdown hat das soziale Leben in Österreich zum Stillstand gebracht. Zwar spüren wir das zur Zeit eher im privaten Umfeld durch den verordneten Verzicht auf Feiern aller Art rund um die Festtage. Aber die Situation wirft auch einen Schatten voraus auf die Zukunft der Arbeitswelt, denn spätestens im Januar werden viele Unternehmen nach der Weihnachtspause wieder voll in Betrieb gehen. Wie also die in den letzten Jahre so gehegt und gepflegt Kommunikation und Interaktion zwischen Mitarbeiter*innen in Zukunft gestalten? Gute Erfahrungen wurden hier mit einer erweiterten Sicherheitszone gemacht, d.h. den Abstand zum Gegenüber auf mindestens 1,5 – 2m auszudehnen. Das kann gezielt durch eine abgerückte Anordnung von Sitzgelegenheiten, Einbauten von Barrieren (z.B. Stehtische oder Raumteiler in geringerer Höhe) oder durch Hinweisschilder mit einer maximalen Anzahl von Personen in einem Raum erreicht werden. Um eine möglichst große gefühlte Sicherheit vor einer Ansteckung und und somit auch ein Wohlbefinden bei Mitarbeiter*innen in Großraumbüros hervorzurufen, empfiehlt es sich, regelmäßige Desinfektionen durch das Reinigungspersonal oder die Ergänzung der „Büroordnung“ durch die Einführung von Desinfektionsregeln durchzuführen. Es sollte zur neuen, täglichen Routine für jeden werden, vor und nach der Arbeit Shared-Desk-Oberflächen zu desinfizieren. Wichtig in diesem Zusammenhang sind auch Sozialbereiche, wie beispielsweise Teeküchen, oder gemeinschaftlich genützte Küchenzeilen o.ä.  Was oft übersehen wird, sind Keyboards oder Mäuse. In vielen Open-Space-Bereichen mit allgemeinen genutzten Schreibtischen werden diese von jeden Nutzer am jeweiligen Platz verwendet. DYI-Hygieneboxen zur Selbst-Desinfektion sind eine nette Idee, werden aber in der Praxis nach einer gewissen Zeit nicht mehr genutzt. Wirkliche Sicherheit und die Gewährleistung einer tatsächlich regelmäßige durchgeführten Desinfektion kann nur durch ein geschultes Reinigungspersonal sichergestellt werden, da sich zumeist niemand der Büronutzer für die allgemeinen Bereich verantwortlich fühlt. In diesem Zusammenhang haben sich fix eingeteilte Tagesreinigungskräfte sehr bewehrt, die auch in kürzeren Intervallen in anderen Bereichen wie z.B. den Sanitärräumen eine „schnelle Desinfektion zwischendurch“ machen können. 

Spannend sind in diesem Zusammenhang auch die Entwicklungen in den Bereichen Sensorik und Innenraum-Design. Wurden früher Sensoren hauptsächlich zur Analyse von Nutzerverhalten am Arbeitsplatz eingesetzt, dienen sie jetzt zusätzlich zur Zählung von Personen in Räumen, um die höchstzulässige Personenanzahl nicht zu überschreiten. Smarte Apps am Firmenhandy zeigen im einheitlich verständlichen Ampel-System an, ob nicht doch schon zu viele Personen in einem Raum sind. Eine sehr sinnvolle und nützliche Lösung für stark frequentierte Bereiche in einem Unternehmen wie z.B. das Mitarbeiter-Restaurant oder die schon erwähnten Teeküchen oder Sozialräume. Das Unternehmen WX, eine Tochterfirma von Sodexo, bietet aktuelle ein sehr spannendes System an. Durch die Verbindung von Sensoren zur Messung von Bewegung und Anwesenheit von Personen in Kombination mit Sensoren zur interaktiven Personenzählung lassen sich unzählige Varianten von Apps zur Navigation in Räumen mit Daten versorgen. Anzeigen von freien oder besetzten Arbeitsplätzen oder Besprechungsräumen, Darstellung von Bewegungsströmen in Echtzeit bis hin zur Warnung vor zu vielen Personen in einem Bereich. Eine interessante Studie dazu ist erhältlich unter https://www.wx.studio/en/whitepaper-the-quantum-shift.

Um räumliche Distanz zu schaffen, bieten Büromöbel-Hersteller bereits Schutzwände aus Plexiglas an, die zur Trennung von Arbeitsplätzen eingesetzt werden. Dabei zeichnet sich eine immer intensivere Material-Diskussion ab. Der Wunsch nach glatten und einfach zu desinfizierenden Materialien, die auf Dauer auch starke Belastungen von Desinfektionsmitteln auf Alkohol- oder Chlorbasis aushalten, wird immer größer. Ebenfalls die Rufe, private Dinge wie Fotos oder Grünpflanzen aus Bürobereichen komplett zu verbannen, weil diese nur sehr schwer desinfiziert werden können. Bei der Schaffung von Distanzen muss aber auch die menschliche Vorliebe für eine gewisse Nähe berücksichtigt werden. Entfernt man beispielsweise aus einem Besprechungsraum einige Sessel, ist das kein Garant für Distanz. Es sind dann zwar weniger Personen in einem Raum, diese rücken aber enger zusammen. Besser ist es, alle Sessel im Raum zu belassen und jeden zweiten Sessel nicht nutzbar zu machen z.B. durch eine Befestigung am Tisch, das Abkleben mit Sperrbändern oder es kommt der allseits bekannte Baby-Elefant (z.B. in Form eines Kartonaufstellers) zum Einsatz.

Interessante Entwicklungen lassen sich aktuell auch auf dem Immobilienmarkt beobachten. Die Nachfrage nach Immobilien mit Einzelbüros steigt merklich. Das stellt die Branche vor eine Herausforderung, wurden doch viele Büroflächen aufgrund der bisherigen gewünschten Nutzungsprofile als Großraumbüros angelegt und dominiert derzeit das Angebot der Freiflächen. In Kombination mit einer verstärkten Verlagerung zum Remote-Working werden sich viele Unternehmen überlegen, wie die aktuellen Büroflächen sinnvoll verkleinert werden können bei gleichzeitiger Adaptierung an die neue Situation des geforderten Social Distancing. Die Immobilienbranche erwartet diesbezüglich eine sehr starke Zunahmen der Aktivitäten im ersten Quartal des kommenden Jahres. Facility Manager und Büroverantwortliche tun daher gut, sich frühzeitig über diverse Optionen und Möglichkeiten zu informieren.

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