KI – Kulinarische Identität von Unternehmen

Corporate Identity – die eigene Unternehmens-Identität ist heute nicht mehr wegzudenken. Ein der ersten Fragen nach der Finanzierung einer Unternehmensgründung ist die öffentliche Darstellung mit Unternehmenslogo, Claim und Wertedefinition. Vielen sehr erfolgreiche Unternehmen haben erkannt, dass auch Faktoren wir Gastlichkeit oder Kulinarik in der Corporate Identity eine wichtige Rolle spielen.

Dazu zwei – anonymisierte – Fallbeispiele aus der Praxis. Ein IT-Unternehmen im oberösterreichischen Zentralraum wirb händeringend um Fachkräfte und junge Talente. Bewerber die zum Vorstellungsgespräch kommen müssen am Empfang erste einmal geduldig warten und werden dann in einen Besprechungsraum geführt. Bei der Frage nach den Sozialleistungen wird in Punkto Mitarbeiterverpflegung erwähnt, dass es einen Sozialraum gibt und die Möglichkeit Tiefkühlgerichte zu bestellen und diese dann selbst zu wärmen. Gleiche Ausgangslage, gleiche Situation in einem IT-Unternehmen im nördlichen Zentralraum. Bewerber werden von den Empfangsdamen begrüßt und gleich mit einem Kaffee versorgt. Das Vorstellungsgespräch findet in der Meeting-Lounge im Mitarbeiter-Restaurant statt. Dort serviert eine Servicemitarbeiter von der Barista-Bar einen perfekten Cappuccino und ein paar kleine gesunde Snacks. Die Frage nach der Mitarbeiterverpflegung erübrigt sich, denn der Bewerber sieht das Tagesangebot auf der Schiefertafel. Und wo das junge Talent im nächsten Monat zu arbeiten anfängt auch.

Michael Freitag, Country President von Sodexo Österreich dazu im Gespräch: „Es gibt tatsächlich gravierende Unterschiede in der Gastlichkeitskultur in den österreichischen Unternehmen und eine sehr große Bandbreite. Wir kennen sehr erfolgreiche Unternehmen, die schon lange eine eigene Kulinarische Identität entwickelt und den Mehrwert davon erkannt haben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Unternehmen, die das nur als Kostenfaktor sehen.“

Natürlich wäre es vermessen, einen Vergleich zwischen den jährlichen Kosten für die Mitarbeitersuche und einem vollwertigen Mitarbeiter-Restaurant zu ziehen. Dazu ein interessantes Praxisbeispiel ebenfalls aus Oberösterreich. Ein sehr erfolgreiches Unternehmen im Anlagenbau bietet umfangreiche Sozialleistungen, unter anderem auch ein Mitarbeiter-Restaurant mit Frischeküche. Dieses Unternehmen erhält allein durch die Mund-zu-Mund-Propaganda an die 900 Initiative-Bewerbungen pro Jahr.

Wie baut man also eine Kulinarische Identität auf. Dazu wieder Michael Freitag: „In jedem Unternehmen gibt es von uns sogenannte Touch-Points. Das sind Orte oder Situationen, in denen es zu einer Interaktion zwischen einem Unternehmen und unterschiedlichen Stakeholdern kommt, wie Bewerber, potenzielle Kunden, Geschäftspartner und natürlich auch die bestehenden Mitarbeiter. Der Empfang ist so ein Touch-Point, oder auch Besprechungs- und Schulungsräume. Hier können Standards definiert werden, die Gastfreundlichkeit ausdrücken. Beispielsweise die Frage schon am Empfang, ob es ein Kaffee oder ein Erfrischungsgetränk sein darf. Sehr großen Fokus legen wir derzeit auf die Konferenzverpflegung. Da hat unser Food-Lab gerade einige sehr interessante Entwicklungen gemacht.“ Inspirationen zur Kulinarischen Identität auch unter http://www.at.sodexo.com

Work-Café als Teil der neuen Arbeitswelt

Mode, Trend oder doch eine nachhaltige Entwicklung? Michael Freitag, CEO Sodexo Corporate Services Österreich und Stephan Derr, Vice President Sales & Distribution bei Steelcase trafen sich zum Gespräch, ein Auszug davon.

Michael Freitag
Kulinarik ist und bleibt ein verbindendes Element – in der Kombination mit den richtigen räumlichen Gegebenheiten ein perfekter Treiber für die Kommunikation.

Stephan Derr
Stimmt und noch mehr. Raumdesign und Möbel tragen natürlich sehr viel zum Raumgefühl am Arbeitsplatz bei. Eine abgestimmte Gastronomie wirkt sich aber essentiell auf die Atmosphäre aus, bringt Seele in den Raum.

Michael Freitag
Das ist für mich ein wichtiger Teil von Workplace Experience. Über die Gastronomie und auch andere Serviceleistungen lässt sich Unternehmenskultur am Arbeitsplatz tatsächlich erlebbar machen. Und das hat auch einen Anteil an der Außenwirkung. Es klingt zwar banal, aber wenn ich als Besucher in einer angenehmen Raumatmosphäre freundlich mit einem Barista-Kaffee begrüßt werde, zeigt das viel vom Wertempfinden und den Umgangsformen innerhalb eines Unternehmens.

Stephan Derr
Auch dazu meine Zustimmung. Hier sehe ich unterschiedliche Aspekte: Als zukünftiger Geschäftspartner werde ich Rückschlüsse auf die Zusammenarbeit ziehen, als junges Talent oder Bewerber auf die Qualität meines zukünftigen Arbeitgebers. Und als Mitarbeiter zeigt es mir die Wertschätzung meines Arbeitgebers mir gegenüber. Hier findet gerade ein großes Umdenken innerhalb vieler Unternehmen diesbezüglich statt.

Michael Freitag
Absolut. Gerade wenn wir Themen wie Employer Branding oder Employer Marketing aufgreifen. Nicht nur der Arbeitsplatz räumlich gesehen wird immer wichtiger. Auch die gelebte Unternehmenskultur trägt dazu bei, ob ein Arbeitgeber als attraktiv wahrgenommen wird oder nicht.

Stephan Derr
Womit wir auch schon bei der Fragebeantwortung, ob eine Konzeption wie Work-Café nur die Antwort auf einen kurzfristigen Trend ist, sind. Keine Unternehmen geht davon aus, dass sich die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren verbessern wird. Im Gegenteil, es wird immer schwieriger werden junge Talente zu finden und gute Mitarbeiter zu binden. Ob ich ein Work-Café in meinem Unternehmen etabliere oder nicht ist nicht für alle und für alles die alleinige Zauberformel, aber eine Teilmaßnahme.

Michael Freitag
Und das mit der größtmöglichen Flexibilität. Das Work-Café Konzept lässt sich perfekt variieren, ganz abgestimmt auf die räumlichen Verhältnisse. Als integrierter Bestandteil einer Open Space Fläche oder in etwas adaptierter Form als Basiskonzept zur Umwandlung von Mitarbeiter-Restaurants in multifunktionale Begegnungsräume oder Co-Working Spaces. Übrigens ein weiterer Aspekt zur Beantwortung der Frage. In Zeiten von zunehmender Urbanisierung wird Platz eine immer knapper werdende Ressource und die Quadratmeterpreise steigen konstant. Durch das Work-Café Konzept entsteht eine höhere bzw. intensivere Auslastung von Fläche, dadurch steigt quasi der Nutzungswert des Quadratmeters.

Stephan Derr
Also haben wir die Frage ja schon beantwortet, das Work-Café Konzept ist ein nachhaltiger Lösungsansatz ohne kurze Halbwertszeit.

Essen ist die neue Religion

Egal welche Trendstudie man heranzieht, das Ergebnis ist einstimmig: Essen ist der neue Pop. Übertrieben? Nein, das zeigen auch Erfahrungswerte aus zahlreichen Mitarbeiterrestaurants. Und mehr noch: Essen ist Teil unserer Lebensphilosophie geworden. Christine Schäfer vom Gottfried-Duttweiler-Institut meint dazu: „Wir identifizieren uns übers Essen wie nie zuvor. Unsere Ernährung ist Ausdruck dessen, wer wir sind oder gerne sein würden. Essen funktioniert als gemeinsamer Nenner, immer mehr dient es aber auch als Differenzierungsmerkmal gegenüber anderen. Über die Art, wie wir uns ernähren, senden wir eine klare Botschaft aus, und umgekehrt beurteilen wir die Haltung des anderen ebenfalls nach dem, was er auf dem Teller hat.“ (Vgl. Christine Schäfer im Interview der Zeitschrift Salz & Pfeffer, http://www.salz-pfeffer.ch/themen/im-gespraech/essen-ist-der-neue-pop; abgerufen am 07.08.2019.)

Zu dieser Entwicklung haben mehrere Faktoren geführt. So haben wir im Gegensatz zu vielen anderen Lebensbereichen bei unserer Ernährung die Möglichkeit, aktiv Einfluss zu nehmen – auf unsere Gesundheit, die Umwelt, die Lebensbedingungen von Produzenten und Tieren. Es steht uns frei zu entscheiden, wann, wo, wie und mit wem wir essen. Und weil wir diese Freiheiten haben und genießen, ist es uns auch wichtig, diese zu dokumentieren. Dementsprechend haben die sozialen Medien unsere Beziehung zum Essen revolutioniert. Kommt ein Gericht, wird erst fotografiert und dann geteilt. Die unüberschaubare Anzahl Essensbilder auf Instagram macht klar, welch bedeutende Rolle das Essen in der digitalen Kommunikation spielt. Essen wird zunehmend zum Identitätsstifter und löst dabei bereits z.B. die Musik ab, die lange Zeit als zentrale Ausdrucksmöglichkeit der eigenen Identität galt. Die eigene Ernährung wird immer stärker politisch, das Gewissen isst mit. Prominente Persönlichkeiten wie Michelle Obama sprechen öffentlich darüber und nutzen das Thema, um ihren politischen Standpunkt zu manifestieren.

Der Begriff Lebensmittel hat in der öffentlichen Kommunikation außerdem eine neue Definition bekommen, beeinflusst von der Medizin. Denn in der westlichen Wohlstandsgesellschaft hat die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund einseitiger Ernährung rapide zugenommen. Die daraus resultierenden Krankenstandstage und Kosten für die Volkswirtschaft bzw. das öffentliche Gesundheitssystem rücken diesen Umstand immer stärker in den Fokus der öffentlichen Debatte. Viele Unternehmen haben die Problematik erkannt und versuchen, in den Mitarbeiterrestaurants eine gesundheitsfördernde Ernährung zu unterstützen. Gesundheit bedeutet heute nämlich nicht nur, keine Krankheit zu haben, sondern Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aktiv zu fördern. Und Gesundheit ist von vielen Faktoren abhängig – schon junge Konsumenten wissen heute, dass einer davon das Essen ist. Mithilfe der richtigen Ernährung bastelt der moderne Mensch an der besten Version seiner selbst. „Digestive Wellness“ lautet das Zauberwort.

Spannend in diesem Zusammenhang ist auch das Aufkommen von Nahrung mit Zusatznutzen, des gehypten Functional Food. Alltägliche Beispiele dafür, die schon jetzt aus keinem Supermarkt mehr wegzudenken sind, sind probiotischer Joghurt oder Brot mit Omega-3-Fettsäuren. Neue Trends sind auf Pflanzen basierende Lebensmittel als Alternative zu tierischen Proteinquellen sowie Free-from-Produkte, also auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten abgestimmte Lebensmittel. Hanni Rützler dazu in ihrem Food Report 2020: „Food-Trends zeigen Lebensgefühle und Sehnsüchte auf, bieten Orientierung und Lösungsversuche für aktuelle Problemstellungen. Getragen werden sie immer von Menschen. Geprägt aber werden sie von den tiefgreifenden, globalen und langfristig wirksamen Veränderungen der Megatrends. Food-Trends können deshalb als ‚Barometer‘ fungieren: An ihnen lassen sich Entwicklungen ablesen, die sich tiefer in die Gesellschaft ausbreiten.“ (Vgl. Hanni Rützler, Food Report 2020, Zukunftsinstitut Frankfurt.) In ihrem Foodreport 2019 widmet Rützler der Gemeinschaftsverpflegung ein ganzes Kapitel und berichtet darüber, wie der Einfluss der verschiedenen Trends rund um die Ernährung und der globalen Mega-Trends auch in den heimischen Betriebsrestaurants immer spürbarer wird. Angesichts dieser die Gesellschaft grundlegend beeinflussenden und verändernden Entwicklungen bleibt Unternehmen gar keine andere Wahl, als sich mit dem Themenfeld Ernährung am Arbeitsplatz auseinanderzusetzen.

Denn ein auf die veränderten Wünsche und Bedürfnisse abgestimmtes Angebot ist bei der Bewertung der Attraktivität von Arbeitgebern bereits zu einem Differenzierungsmerkmal geworden. Das bedeutet aber nicht, dass zwangsläufig ein Mitarbeiterrestaurant mit eigener Küche vor Ort vorhanden sein muss. Die neuen Ansätze für die Verbindung von Raum und Gastronomie ermöglichen es z.B. auch Unternehmen mit einer kleineren Belegschaft, ein attraktives Angebot zu schaffen.

 

 

Im Gespräch mit Roland Trettl über Essen am Arbeitsplatz

Herr Trettl, wie sind Sie persönlich das erste Mal mit dem Thema Essen am Arbeitsplatz in Berührung gekommen?

Als ich mit 14 Jahre meine Lehre in einem Hotel mit 40 Mitarbeitern begonnen habe, wurde das gemeinsame Essen schon großgeschrieben. Vor Beginn des Gästeservice haben alle Mitarbeiter gemeinsam gegessen, nach dem Service haben sich die Abteilungsleiter und die Besitzer beim Essen getroffen um den Tag zu besprechen. Das war ein fixes Ritual und wurde zelebriert. Schon da wurde mir klar, dass es ein Zusammenspiel zwischen gutem Essen und Arbeit besteht.

Viele Unternehmen beschäftigen sich gerade sehr intensiv mit der Frage, wie die Verpflegung der MitarbeiterInnen am Arbeitsplatz gestaltet werden soll. Was sind hier Ihrer Meinung nach Aspekte, die unbedingt in die Überlegungen einbezogen werden sollten?

Qualität, Qualität, Qualität. Das ist oberste Priorität, die muss im Fokus stehen. Als nächstes muss der Respekt dem Lebensmittel gegenüber immer ein Aspekt sein. Woher kommen diese, wie können diese nach Möglichkeit vollständig verarbeitete werden. Wichtig finde ich auch die Reduktion von Abfall. Bei mehreren angebotenen Menüs muss nicht unbedingt jedes Gericht bis zur letzten Minute vorgehalten werden, es darf auch ruhig einmal etwas ausgehen. Was nicht notwendig ist, jedem Food Trend unbedingt nachzulaufen, die Gäste sollen nicht überfordert werden.

„Kantinenessen“ war bis vor einigen Jahren ein Synonym für eher unattraktives Essen von mittlerer Qualität. Heute machen manche Betriebs-Restaurants der gehobenen Gastronomie Konkurrenz. Hat Sie diese Entwicklung überrascht?

Ja, absolut. Als ich vor 5 Jahren die Anfrage von Sodexo für eine Zusammenarbeit erhalten habe, war das noch so meine Einschätzung. Ich habe dann aber drei Betriebe besucht und habe gesehen, dass ich mich geirrt habe. Es herrscht ein wirklich hohes Niveau in vielen Betrieben. Erschreckend aber, wie billig ein Essen auf einem so hohen Qualitätsniveau in der Gemeinschaftsgastronomie verkauft wird. Überlegen Sie einmal, ich bekomme dort eine Hauptspeise mit mehreren Komponenten für den Preise eines doppelten Espressos am Flughafen, der dazu noch nicht einmal schmeckt. Das ist meiner Meinung nach eine komplett falsche, weil viel zu geringe, Wertschätzung!

Unternehmen die großen Wert auf eine sehr hohe Qualität bei der Verpflegung der MitarbeiterInnen legen begründen das sehr oft mit dem Argument, dass gutes Essen motiviert. Ist das Ihrer Meinung nach ein valides Argument?

Ja, definitiv. In doppelter Hinsicht. Einerseits ist Essen der Treibstoff für unseren Körper. Das ist wie beim Auto. Je besser der Treibstoff, je höher die Qualität und Dauer der Leistung. Wenn es um Autos geht verstehen das alle, leider ist das nicht so wenn es um gute Ernährung geht. Der zweite Aspekt ist aber genauso wichtig. Gutes Essen ist Ausdruck einer hohen Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter. Beides trägt meiner Meinung massiv zur Motivation bei.

Welche Rolle wird das Thema Gesundheit bzw. Gesundheits-förderung in Zukunft in der Betriebs-Gastronomie spielen?

Das Thema Gesundheit in Verbindung mit Essen ist doch selbstverständlich und wir sollten nicht zu viel Zeit damit verbringen über das Selbstverständliche zu quatschen. Es wird ja in letzter Zeit sehr viel über das Thema Gesundheit in verschiedensten Zusammenhängen geredet, und viel davon ist nur BlaBla. Da möchte ich eine Frage stellen. In der Betriebs-Gastronomie geht es leider in vielen Betrieben immer noch nur um den Preis. Es muss billig sein, also werden billige Grundprodukte aus Massenproduktion einkauft. Welche Erwartungshaltung kann ich denn dann an solche Lebensmittel haben und deren Einfluss auf meine Gesundheit? Hier lügt man sich doch selber an!

Arbeitnehmer versuchen sich auf dem Arbeitsmarkt als besonders attraktiv darzustellen. Gerade Unternehmen in der IT- oder Pharma-Branche, die dringend neuen jungen Talente suchen, nutzen die Betriebs-Gastronomie als ein Differenzierungsmerkmal. Macht das Ihrer Meinung nach Sinn?

Ja, und das könnten auch Unternehmen in anderen Branchen machen. Allerdings macht das Ganze nur dann Sinn, wenn die gegebenen Versprechungen auch eingehalten werden. Es muss ehrlich sein. Ehrlich den Mitarbeitern gegenüber, aber auch ehrlich den Lebensmitteln und deren Produzenten gegenüber. Wenn es keine Marketing-Floskeln sind, finde ich das super.

In manchen Mitarbeiter-Restaurants gibt es ein Ampelsystem zur Qualifizierung von Gerichten. Während der Salat mit Hühnerstreifen mit grün markiert wird, ist die Currywurst mit Pommes rot. Ist so etwas Ihrer Meinung nach zielführend und bring mehr Tischgäste dazu sich gesundheitsfördernd zu ernähren?

Ich bin der Meinung alles sollte grün sein. Das geht absolut zu weit, Essen muss Genuss bleiben, wenn ich eine rote Ampel sehe nimmt es mir die Freude am Essen. Je mehr wir über Gesundheit sprechen, umso kränker werden die Menschen werden. Schauen Sie sich doch an wie die Anzahl der Depressions-Erkrankungen stetig steigt. Essen muss Freude machen, mit einer roten Ampel hat niemand Freude. Menschen auf etwas hinweisen ist ok aber nie mit erhobenem Zeigefinger. Nichts ist mehr ein erhobener Zeigefinger als eine rote Ampel.

Wenn Sie die aktuellen Ernährungstrends beobachten wie Functional Food oder Free-From-Food, sehen Sie darin eine tatsächliche Veränderung der Essgewohnheiten in unserer Gesellschaft oder ist das nur eine kurzlebige Modeerscheinung?

Die zwei Food Trends kenne ich gar nicht. Ich bin der Meinung das Food Trends in den meisten Fällen mehr als Marketing-Gag für die mediale Welt geschaffen werden, nicht für die Konsumenten. Es muss immer wieder was Neues sein um einen neuen medialen Aufhänger zu haben. Permanent auf neue Trends aufzusteigen heißt für mich, dass die Stärke des Wesentlichen nicht erkannt wurde. Immer wieder neuen Trends zu folgen ist für mich ein Hinweis auf Unsicherheit. Wenn ich an einem Bahnhof stehe in dem 10 Züge in die gleiche Richtung fahren, werde ich nicht alle 10 nehmen können. Ich werde den nehmen, der mich am komfortabelsten ans Ziel bringt. Und das werde ich in der Folge jeden Tag machen.

Studien zufolge ist wird Ernährung immer mehr zum Ausdruck der persönlichen Lebensphilosophie. Durch die Auswahl und Zusammenstellung der Ernährung werden u.a. auch politische Aussagen getroffen z.B. der bewusste Verzicht auf Fleisch als aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Teilen Sie diese Meinung, das Essen politisch wird?

Politik ist ein Thema, über das ich nicht sprechen möchte. Aber ich würde mir wünschen, dass die Haltung zum Essen in Österreich einen Stellenwert wie in den südlichen Ländern bekommen würde und damit an vorderster Stelle steht. Der Italiener fährt gerne mit einem alten Panda rum aber er legt Wert auf gutes Essen. Da haben wir noch einen langen Weg vor uns, obwohl eine Verbesserung zu erkennen ist. Politik ist das Letzte was Freude macht und passt nicht zum Essen.

Ihre Zukunftsprognose für die Entwicklung der Gemeinschaftsgastronomie. In welche Richtung wird es gehen, was kommt was geht?

Ich habe keine kulinarische Glaskugel und kann auch nicht in die Zukunft schauen. Aber lassen Sie mich doch einmal träumen. Ich gehe viele Jahrzehnte zurück als die Gemeinschaftsgastronomie begonnen hat. Da saßen viele Leute gemeinsam an einem großen Tisch, es kamen viele Töpfe und Schüsseln auf den Tisch und man hat zusammen gegessen. Mir ist klar, dass diese Vorstellung vielleicht etwas überspitzt ist und es so nicht mehr werden wird. Aber das Schönste für mich wäre, wohl wissend das es so nicht kommen wird, wieder große Töpfe und Schüsseln mit gutem Essen auf einem großen Tische stehen zu sehen. Weniger ist mehr und damit meine ich nicht eine Minderung der Lebensmittelqualität. Wenn ich weniger sage, dann rede ich von weniger Gequatsche rund ums Essen. Ich rede von weniger auf dem Teller, weil die Portionen in der Gemeinschaftsgastronomie heute viel zu groß sind. Ich rede von weniger erhobenen Zeigefingern und Belehrungen was gut für mich ist oder nicht. Ich rede aber gleichzeitig auch von mehr Respekt Lebensmitteln gegenüber und damit verbunden die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben für gutes Essen.

 

Kurzvita von Roland Trettl

Roland Trettl begann seine Ausbildung zum Koch 1987 im Parkhotel Holzner in seinem Heimatort Oberbozen auf dem Ritten und setzte sie in Bozen im Restaurant Amadé fort. Danach folgten Stationen in Eckart Witzigmanns Münchener Restaurant Aubergine, im Restaurant Tantris sowie in Witzigmanns Restaurant Ca’s Puers auf Mallorca.

Fast 10 Jahre führte er als Executive Chef bis 2013 das Restaurant Ikarus im Hangar-7 am Flughafen Salzburg. Unter der Schirmherrschaft von Eckart Witzigmann stellte er im Monatsrhythmus Köche aus aller Welt vor.

Seine TV Karriere startete 2013 und 2015 als Gastjuror in der Sat.1 Koch-Castingshow „The Taste“, in Folge wurde er dann fixer Juror. Zusammen mit Tim Mälzer moderierte er die Sat.1-Sendung „Karawane der Köche“ und trat als Profi-Koch 2017 und 2018 in der Kochshow „Grill den Profi“ in mehreren Folgen auf. Seit 2018 ist er Gastgeber in der Dating-Doku „First Dates – Ein Tisch für zwei“ beim Sender VOX.

Gemeinsames Essen fördert die Teamleistung

Die Art und Weise, wie Teammitglieder ihre Mittagspause verbringen, wirkt sich unmittelbar auf ihre Leistungen aus.

Besonders die allgemeine Teamleistung ist stark davon abhängig, ob die Gruppenmitglieder regelmäßig gemeinsam essen – das belegt eine Studie der US-amerikanischen Cornell University. Der Autor der Studie, Professor Kevin Kniffin, beobachtete Mitarbeiter/-innen von 50 Feuerwachen in amerikanischen Großstädten über einen Zeitraum von 15 Monaten. Dabei bewerteten die zuständigen Teamleiter/-innen die Leistungen ihrer Mitarbeiter/-innen und hielten zugleich fest, wie oft die Mitarbeiter/-innen der Teams gemeinsame Mahlzeiten einnahmen. Das Ergebnis des Experiments zeigte eindeutig: Teams, die selten miteinander aßen, legten auch eine schlechtere Performance an den Tag (vgl. „Groups that eat together perform better together”, Study by Kevin Kniffin, http://news.cornell.edu/stories/2015/11/groups-eat-together-perform-better-together, abgerufen am 08.08.2019).

Gemeinsames Essen fördert die Kommunikation innerhalb von Teams, aber auch zwischen unterschiedlichen Abteilungen. Die informelle Atmosphäre beim gemeinsamen Mittagessen lässt auch Gespräche abseits des Arbeitsalltags zu und schafft die Möglichkeit, Kollegen aus einer neuen Perspektive zu sehen, persönliche Hintergründe kennenzulernen, von Hobbys zu erfahren, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Laut einer Studie der Humboldt-Universität zu Berlin macht gemeinsames Essen die Teilnehmer entspannter, liberaler und nachlässiger. Es fördert zwar nicht unbedingt die Konzentration nach der Mittagspause, aber die Aufmerksamkeit für negative Emotionen anderer wird gesteigert, was eine „gute Voraussetzung für jegliche Art sozialer Interaktionen“ ist, heißt es in der Studie. Gemeinsame Mahlzeiten seien eine gute Basis, wenn soziales Geschick verlangt werde, zum Beispiel vor konfliktgeladenen Situationen wie Besprechungen oder Verhandlungen (vgl. „Die psychologischen Effekte einer Mahlzeit“, Prof. Dr. Werner Sommer, https://www.hu-berlin.de/de/pr/nachrichten/archiv/nr1308/pm_130801_00, abgerufen am 07.08.2019).

Es lohnt sich also, in eine gute Mittagessenskultur zu investieren.

 

Ray Oldenburg im Interview

Der Soziologe Ray Oldenburg definierte erstmals den Begriff „Third Place“. Das Phänomen gemeinschaftlich genutzter öffentlicher Orte außerhalb der eigenen vier Wände und der Büros gibt es schon seit Jahrhunderten. In Lexika als „Third Place“ aufgenommen wurde es jedoch erst, nachdem es von Ray Oldenburg gründlich erforscht und 1989 in seinem Buch „The Great Good Place“ veröffentlicht wurde. Seitdem hat es nicht an Aktualität eingebüßt. Die Idee der Third Places erscheint in vielen wissenschaftlichen Diskussionen – egal, ob zum Thema Gemeinschaft, zu sozialen Beziehungen oder zur Bedeutung öffentlicher Orte. Oldenburg, dessen Buch noch immer erhältlich ist, wurde eines Tages sogar von Starbucks gebeten, sich positiv über deren Cafés zu äußern. (Er lehnte ab.) Völlig losgelöst vom First Place (das Zuhause) und Second Place (das Büro) erscheinen die Third Places seit einigen Jahren in neuem Glanz. Nicht zuletzt, weil viele Unternehmen die Bedeutung der Third Places im Büro entdeckt haben – als Cafés und Loungebereiche, in denen Mitarbeiter Kaffee, Tee oder sogar Bier trinken und sich in entspannt informeller Atmosphäre mit Kollegen austauschen können.

Der emeritierte Soziologieprofessor der University of West Florida in Pensacola sagt, dass sein in acht Jahren geschriebenes Buch vom Umzug in einen Vorort in Florida inspiriert wurde.

Wie konnte ein Umzug nach Pensacola zur Inspirationsquelle für „The Great Good Place“ werden?

Unser erstes Haus befand sich in einem neuen Viertel mit lauter jungen Leuten. Wir alle haben uns regelmäßig getroffen, wobei allerdings nicht jene zurückgezogene exklusive Nachbarschaft entstand, wie sie in den heutigen Vorstädten üblich ist. Unser zweites, bis heute bewohntes Haus liegt in einem unglaublich ruhigen Vorort. Manchmal fragte ich mich, warum es hier überhaupt Gehwege gibt? Genutzt werden sie jedenfalls von niemandem. Der Bürgermeister von Charleston hat immer gesagt, dass die Amerikaner nicht wissen, wie man Städte baut. In einer lebenswerten Stadt sollten die Dinge des täglichen Bedarfs fußläufig erreichbar sein – hiervon haben wir uns meilenweit entfernt und müssen stattdessen wegen jeder Kleinigkeit ins Auto steigen.

Was haben Sie also getan?

Ich habe unsere Doppelgarage in eine Bar verwandelt und damit meinen eigenen Third Place geschaffen. Dort befüllte ich einen echten Mahagonischrank mit diversen Spirituosen. Hinzu kamen ein Kühlschrank mit Bier und ein kleiner Weinschrank. Heute trinke ich zwar nicht mehr so viel, dennoch gefällt mir die Vorstellung, ein guter Gastgeber zu sein. Wir haben feste Öffnungszeiten mittwochs und sonntags, zu denen alle möglichen Leute kommen: Angestellte der Universitätsbibliothek, mein Schwager, ein pensionierter Arzt und viele andere.

 Was hat Sie in den letzten 25 Jahren an den Third Places am meisten überrascht?

Die größte Überraschung ist, dass sie von der Geschäftswelt aufgegriffen wurden. Früher dachten die Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter umso produktiver sind, je länger sie am Schreibtisch sitzen. Diese Vorstellung ist in tausend Stücke zersprungen, nachdem Manager erkannt haben, dass die Produktivität steigt, wenn man die Menschen arbeiten lässt wo und wann sie wollen. Der Markt steht unter hohem Wettbewerbsdruck, und es ist wichtig, mit Innovationen der Erste zu sein. Wenn man Menschen zusammensitzen und miteinander reden lässt, dann entstehen auch Innovationen schneller. Und ich glaube, dass sich daran für die Wirtschaft so schnell nichts ändern wird.

 Welche sind heute die wichtigsten Third Places?

Bibliotheken, Gemeinderäume und Kirchen, neu gestaltete Jugendherbergen und Cafés, die sich jeder leisten kann. Auf Reisen habe ich die Hauptstraße gern 20 bis 30 Minuten vor meinem eigentlichen Ziel verlassen, um an einen Ort zu gelangen, an dem die Dinge real und authentisch sind. Manchmal hätte ich zwar auf das Essen verzichten können, doch letztlich war ich immer froh, es genau dort bekommen zu haben.

 Ist Social Media eine neue Form des Third Places?

Third Places sind ein Face-to-Face-Phänomen, weshalb die Idee, elektronische Kommunikationsmedien könnten virtuelle Third Places erzeugen, irreführend ist. „Virtuell“ bedeutet, dass etwas in Wesen und Wirkung genauso ist wie etwas anderes – und das ist in diesem Fall nicht richtig. Wer an einen Third Place kommt, öffnet sich in gewisser Weise denen, die schon da sind. Und diese Personen können völlig anders sein als man selbst. Wer aber seine Nachbarn nicht kennt, wird misstrauisch. Und wer misstrauisch ist, wird auch entsprechend handeln. Auf dieser Basis entstehen keine nachbarschaftlichen Beziehungen. Wenn man Zeit mit anderen Menschen verbringt, wird man diese nicht hassen – so einfach ist das.

Sollten Unternehmen sich stärker für mehr Third Places einsetzen?

Ich denke, Third Places spielen schon eine Rolle, wenn man gute Mitarbeiter halten möchte – z.B. indem sie bekommen, was sie sich wünschen. Wenn Mitarbeiter die Möglichkeit haben, Third Places zu nutzen, bedeutet dies für Unternehmen einen großen Sprung nach vorn, hin zu mehr Interaktion und Vielfalt in einer vielfältigen Welt. Und mit Vielfalt meine ich ziemlich viele Dinge: Rasse, Religion, Ethnie, aus welchem Landesteil man kommt, sozio-ökonomische Unterschiede und vieles mehr, was die Menschen voneinander unterscheidet und füreinander interessant macht.

Wie nützlich sind interne Third Places in Arbeitsstätten?

Bringt Kaffee die Menschen zusammen? Viele wetten, dass das so ist. Doch die Menschen brauchen manchmal Auszeiten. Man kann bei der Arbeit viele Freundschaften und gute Beziehungen haben. Ich denke aber nicht, dass man sich darauf beschränken sollte. Third Places in öffentlichen Bereichen haben vielfältige Nutzer, was für die Entwicklung des Einzelnen besser ist. Hier kann Vielfalt auf eine viel angenehmere Art erlebt werden. Menschen sind gesellige Tiere, und glückliche Menschen befinden sich gern inmitten anderer glücklicher Menschen. Wer einen Third Place hat, hat mehr Freunde. Und je mehr Freunde man hat, desto länger lebt man. Unternehmen würden also gut daran tun, das Entstehen von Third Places zu fördern. Den Beschäftigten Auszeiten zu ermöglichen, kann durchaus dazu beitragen, gute Mitarbeiter zu halten.

Work Café – Third Places

Third Places dienen allen Menschen eines Unternehmens als wichtiger Knotenpunkt, an dem sie sich vernetzen und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln können. Die Räume fördern nicht nur den für die Mitarbeitermotivation essentiellen sozialen Austausch. Sie erleichtern es den Beschäftigten auch, sich zu treffen und zusammenzuarbeiten – und nebenbei die anregende Umgebung zu genießen.

Ray Oldenburg identifizierte zehn wichtige Merkmale von „Great Good Places“. Nachdem auch Unternehmen in ihren Arbeitsumgebungen immer mehr interne Third Places einrichten (interne Cafés, Kaffee- bzw. Saftbars und andere Treffpunkte), fragen wir uns:

Verfügen diese über die gleichen Eigenschaften wie externe Third Places? Wir haben jene mit einem   Stern gekennzeichnet, von denen wir glauben, dass dies zutrifft.

  1. Förderung der Demokratie
    Der Philosoph John Dewey hat es einst auf den Punkt gebracht: „Das Herzstück und die letzte Gewissheit der Demokratie liegt in der Freiheit, sich an jeder Straßenecke mit anderen zum ausgiebigen Diskutieren treffen zu können.“
  2. Nachbarschaftliche Gemeinschaft *
    Treffpunkte auf lokaler Ebene ermöglichen es, die Menschen aus der Nachbarschaft kennenzulernen. Verbindungen entstehen. Jeder weiß, wen er für was ansprechen kann.
    Unter Nachbarn gibt es keinen Argwohn mehr.
  3. Zahlreiche Freundschaften *
    Viele Freunde zu haben und diese auch oft zu treffen, gelingt nur, wenn man über einen neutralen Treffpunkt in der Nähe verfügt. Je mehr Freunde die Menschen haben, desto länger leben sie.
  4. Stärkungsmittel für den Geist
    Joie-de-vivre- oder La-dolce-Vita-Kulturen basieren auf dem häufigen geselligen Miteinander in der Öffentlichkeit – insbesondere in den zahlreichen Straßencafés der Städte.
  5. Sammelpunkt
    Als der Hurrikan Andrew auf Florida traf, wussten viele hilfsbereite Menschen nicht, wohin sie gehen sollten, weil es in den Vierteln keine Versammlungsorte gab. In Krisenzeiten kommt inoffizielle Hilfe lange vor der öffentlichen Hilfe, weshalb sie oft auch von größerer Bedeutung ist. Third Places erleichtern es den Menschen in diesem Zusammenhang, einander zu helfen
  6. Generation des sozialen Kapitals *
    Menschen mit vielfältigen Fähigkeiten und Interessen treffen sich, um sich kennenzulernen und sich gegenseitig zu vertrauen – mit positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft. Im „Alten Süden“ ging es Regionen, die Gasthäuser erlaubten, ökonomisch besser als Regionen, die sie nicht erlaubten.
  7. Geringer Kosten
    Third Places bringen üblicherweise Menschen mit unterschiedlichsten Berufen, Talenten und Fähigkeiten zusammen. Wo jemand Hilfe braucht, zählt dabei zu den ersten Gesprächsthemen, und wenn Gruppenmitglieder mit Tatkraft, Werkzeugen oder Ratschlägen helfen können, dann werden sie es auch tun. Mit den meisten Menschen, die man an Third Places trifft, entwickeln sich nur lockere Beziehungen – oft sind diese aber wichtiger als enge Freunde, z.B. bei der Jobsuche.
  8. Verbesserter Ruhestand
    Das Bedürfnis, „vor die Tür zu gehen“ lässt sich für Menschen im Ruhestand täglich erfüllen, wenn es in der Nähe einen Third Place gibt.
  9. Entwicklung des Einzelnen *
    Durch die Lage des Zuhauses und die Art des Arbeitsplatzes treffen wir ständig auf Menschen, die und ähnlich sind. Third Places hingegen bringen Menschen zusammen, die über unterschiedlichste Berufe, Hintergründe, Ansichten und soziale Stellungen verfügen. Von diesen Menschen können wir mehr über unsere Welt erfahren und wie wir bessermit ihr zurechtkommen.
  10. Intellektuelles Forum *
    Tagesaktuelle Themen und viele andere Dinge werden regelmäßig informell, aber nie chaotisch diskutiert. In Third Places lernen die Menschen, dass sie vor dem Sprechen gut nachdenken sollten, und dass unbedachte Äußerungen rasch eine Welle der Empörung nach sich ziehen können.

Corporate Health – unternehmerische Gesundheitsverantwortung macht Arbeitgeber attraktiv.

Es kommt der nächste Trend über den großen Teich geschwappt, diesmal aber ein richtig gesunder. Corporate Health, damit gemeint die unternehmerische Gesundheitsverantwortung. Unternehmen bieten ihren MitarbeiterInnen ein umfassendes Angebot zur Förderung der Gesundheit bzw. Krankheits-Prävention. Dabei wird nicht mit dem erhobenen Zeigefinger gemahnt und verboten, sondern durch attraktive Angebote und Belohnungsprogramme die Lust an der Gesundheitsförderung stimuliert. Ein smarter Schachzug mit doppelter Wirkung. Corporate Health  wird vom Mega-Trend Gesundheit getrieben, wodurch sich die Attraktivität von Unternehmen, die sich mit diesem Thema auseinander setzen sofort erhöht. Gesundheitsförderung ist hip, Unternehmen die das unterstützen mega trendy. Gleichzeitig ist es ein Schlüssel zur Reduktion der Anzahl von Krankenstandstagen und damit verbunden eine erhebliche Kostenreduktion.

future50feature

Appetit auf Veränderung

Mitarbeiter werden zu Verbündeten in der Bewegung zur Förderung der Gesundheit. Als Verbraucher treffen sie bereits bewusste Entscheidungen mit dem Ziel, positive Auswirkungen sowohl in ihrem eigenen Leben als auch zum Wohle des Planeten zu erzielen und gleichzeitig die Menschen in ihrer Umgebung dazu zu bewegen, dasselbe zu tun. Vor allem drei Trends machen Lust auf Veränderung:

Trend Nr. 1: Nachhaltigkeit und Plant-Forward-Einstellung
Nielsens Bericht „The Evolution of the Sustainability Mindset“ findet wachsende Unterstützung für umweltfreundliche und ethische Lebensmittel. Mehr als 4 von 5 globalen Verbrauchern sind der festen Überzeugung, dass Unternehmen zur Verbesserung der Umwelt beitragen sollten, während GlobalData angibt, dass 70% der Menschen fest vorhaben entweder den Fleischkonsum zu reduzieren oder sich vollständig pflanzlich zu ernähren.

Trend Nr. 2: Gesundheit als persönliche Priorität
Gesunde Ernährung wird immer beliebter, wobei jüngere Generationen Vorreiter sind. Die Global Workplace Study von Sodexo ergab, dass 72% der Mitarbeiter gesunde und energetisierende Ernährungsoptionen am Arbeitsplatz als sehr wichtig bezeichnen um sich wohl zu fühlen und motiviert zu sein.

Trend Nr. 3: Veränderung der Essgewohnheiten
Neben dem was ist auch das wie, wo und wieviel beim Essen ein Thema geworden. Die klassischen Essenmuster vom kräftigen Frühstück, dem noch kräftigeren Mittagessen und dem Abendessen als dritte Hauptmahlzeit am Tag ist überholt. Kleinere Portionen, dafür mehrmals über den Tag verteilt sind gefragt, umschrieben mit Bezeichnungen wir „all day grazing“ oder Snacking.

Future50Foodsbanner

Essen mit Sinn und Nachhaltigkeit

Eine einseitige Ernährung mit z.B. zu viel tierischem Eiweiß ist nicht gut für unsere Gesundheit und die Gesundheit unseres Planeten. Aus diätetischer Sicht schließen die derzeitigen Ernährungsgewohnheiten viele wertvolle Nahrungsquellen aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden 2 Milliarden Menschen an einem Mangel an Mikronährstoffen, der teilweise auf unsere eingeschränkte Ernährung zurückzuführen ist. Unsere Ernährung hat aber auch einen direkten Einfluss auf Umwelt und Klima. Durch den Anbau von Monokulturen werden die Kulturpflanzen anfälliger für Krankheiten und Schädlingen, was durch den massiven Einsatz von Pestiziden zu verhindern versucht wird. Mit den bekannten Folgen von Grundwasserverschmutzung bis hin zum Bienensterben. Der große Hunger auf tierisches Eiweiß hat ganz enorme Auswirkungen auf den Klimawandel. Das World Resources Institute zeigt, dass die globale Landwirtschaft und Landnutzung mindestens ein Viertel aller Treibhausgasemissionen verursacht, wobei ressourcenintensive Produkte wie Fleisch und Milchprodukte zu den größten Verschmutzern zählen.

Corporate Health ist auf dem besten Wege eine wirkliche Erfolgsgeschichte zu werden, Essen spielt dabei eine essentielle Rolle. Steigerung der Arbeitgeber-Attraktivität, Senkung der Kosten für Krankenstände bzw. krankheitsbedingte Ausfälle und eine Reduktion des negativen Einflusses auf Umwelt und Klima – eine win-win-win-Situation.

Further information about Corporate Health in English read here

Essen ist die neue Religion!

Sag‘ mir was Du isst und ich sage Dir wer Du bist. Gar nicht so weit weggeholt. Ernährung wird immer mehr Teil der persönlichen Lebensphilosophie und Ausdruck von Persönlichkeit und Lebensstil. Kein Wunder, dass viele Unternehmen diesen Umstand erkannt haben und das Mitarbeiter-Restaurant als essentiellen Teil von Workplace Experience werten. Viele Verantwortliche übersehen dabei den konstante Wandel der sich gerade in Punkte Essen vollzieht. Das Essverhalten wird sich radikal ändern. Damit verbunden auch Bedarf und Anforderungen der unterschiedlichen Nutzergruppen am Arbeitsplatz. Das klassische Schema Frühstück – Mittag – Abend wird vom Snacking abgelöst. Statt übergroße Portionen sind kleine Shots und Mundhappen gefragt. Eine Entwicklung, die stark von den Mega-Trends getrieben wird. Wichtig dabei, dass diese neuen Anforderungen auch in die Konzepte für die Mitarbeiterverpflegung einfließen.

Snackification
Quelle: Future Food Report 2020, Hanni Rützler, zukunftsinstitut

 

Attraktivität eines Arbeitgeber – was macht’s aus?

Der Wettkampf um junge Talente, gut ausgebildete Fachkräfte und innovative Entwickler und Forscher hat längst auch schon die mittelständischen Unternehmen erfasst. Obwohl viele davon in ihrem Marktsegment technologisch zu den Marktführern gehören, ist die Besetzung von offenen Stellen zu einer der größten Herausforderungen geworden. Aufgrund der Unternehmenshistorie sind viele „Secret Champions“ in ländlichen Gegenden verortet, was manchmal noch eine zusätzliche Hürde darstellt. Um im „War for Talents“ zu punkten, müssen diese Unternehmen sich als besonders attraktiv präsentieren. Neben der Rekrutierung stellt für viele Unternehmen auch das Halten und Motivieren von bestehenden MitarbeiterInnen eine immer größere Herausforderung dar. Einer Gallup Studie zu Folge suchen weltweit 51 % der Angestellten aktiv nach einer neuen Stelle. Aber was macht es aus um als attraktiver Arbeitgeber wahr genommen zu werden?

Die Höhe des Gehaltes ist schon noch wichtigstes Kriterium, da sind sich alle HR-Verantwortlichen einig. Aber nicht nur. Eine Vielzahl von weiteren Faktoren spielt eine Rolle in der Arbeitgeber-Attraktivität. Einer davon ist der Arbeitsplatz, wobei das nicht nur räumlich zu verstehen ist. Die Studie „Engagement and the Workplace“ von Steelcase hat ergeben, dass 93 % von sehr engagierten Mitarbeitern sagen, dass ihr Arbeitgeber ehrliches Interesse an ihrem Wohlbefinden zeigt. Dazu hat Arbeitsforscher Frederick Herzberg seine Zwei-Faktoren-Theorie aufgestellt. Diese besagt, dass es zwei grundlegende Faktoren gibt, die für die Zufriedenheit und Motivation von MitarbeiterInnen notwendig sind. Einerseits die sogenannten Hygienefaktoren. Das sind elementare Anforderungen an einen Arbeitsplatz wie Sauberkeit, Sicherheit und weitere unterstützende Dienstleistungen. Werden die Anforderungen richtig erfüllt, ist das die Basis für keine Unzufriedenheit. Andererseits gibt es sogenannte Motivatoren, das sind spezifische Angebote und Leistungen. Diese steigern die Zufriedenheit und damit die Motivation von Mitarbeitern. Beide Faktoren sind allerdings in jedem Unternehmen zumindest teilweise ganz individuell ausgeprägt und müssen diesbezüglich angepasst werden. Weiterführende Information dazu unter dem Link  https://www.sodexo.com/home/inspired-thinking/work-reimagined-home/work-reimagined-articles.html

BB|18092019

Megatrend „Neues Arbeiten“ – ein heiß diskutiertes Thema in mittelständischen Unternehmen

20170829_sodexo-michael-freitag_018_foto_mario-andreyaMichael Freitag, Country President und Geschäftsführer Sodexo Österreich, im Interview zum Thema „Neues Arbeiten“ in mittelständischen Betrieben.

Herr Freitag, ist der Megatrend „Neues Arbeiten“ nur etwas für große Konzerne?

Nein, schon per Definition nicht. Ein Megatrend ist eine tiefgreifende Entwicklung, die Einfluss auf alle Bereiche der Gesellschaft hat. Also natürlich auch auf mittelständische Betriebe und Kleinunternehmen. Das gilt auch für alle anderen Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung oder Mobilität. Und wie sieht dieser Einfluss konkret aus? Alle Unternehmen befinden sich im Wettbewerb um Fachkräfte und junge Talente. Wenn man sich heute auf einschlägigen Arbeitgeber-Portalen im Internet umsieht und die Bewertungen von Unternehmen liest fällt auf, wie oft das räumliche Arbeitsumfeld und Serviceleistungen als Bewertungskriterium genannt wird. Ein aktuelles Beispiel aus einem meiner letzten Bewerbungsgespräche mit einem jungen Talent aus dem Waldviertel. Der junge Mann würde viel lieber in der Nähe seiner Heimatgemeinde arbeiten und hat sich auch bei einigen Unternehmen vorgestellt. Obwohl viele dieser Unternehmen technisch zu den Marktführern gehören bieten diese kein zeitgemäßes Arbeitsumfeld. Das hat den Bewerber abgeschreckt, jetzt nimmt er lieber die lange Pendelzeit in Kauf um für ein Unternehmen zu arbeiten, dass den Trend erkannt und entsprechend gehandelt hat.

Was konkret bedeutet für Sie ein attraktives Arbeitsumfeld?

Es ist die Mischung aus verschiedenen Aktivitäten und Bereichen. Raum, Ambiente & Möbel und Serviceleistungen sind sicherlich die wichtigsten, wenn es um den Arbeitsplatz geht. Inhalte der Arbeit, Führungsstil, Teamarbeit und Wertschätzung, wenn es um das Arbeitsklima geht.

Bleiben wir beim Arbeitsplatz. Raum, Ambiente & Möbel ist klar, was ist mit Serviceleistungen gemeint?

Raumdesign, die Möbel und das Ambiente unterstützen Arbeitsprozesse. Nehmen wir als Beispiel ein Arbeitsumfeld, das auf dem Prinzip des Activity-Based-Working basiert. Die unterschiedlichen Zonen sind auf die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsprozesses abgestimmt, dem entsprechend auch die Arbeitsmöbel. Das Ambiente in einem Kreativbereich wird verspielter sein als in einem Bereich, der für konzentriertes Arbeiten konzipiert ist. Um aber ein Arbeitsplatz-Erlebnis zu schaffen benötigt es verschiedene Dienstleistungen. Sehr viele davon werden durch das Facility Management gesteuert, wie z.B. das richtige Raumklima oder die Hygiene am Arbeitsplatz. Dann gibt es aber auch noch Dienstleistungen die einen besonderen sozialen Aspekt darstellen. Der Empfangsdienst, eine Kaffeebar mit Barista-Kaffee oder ein modernes Mitarbeiter-Restaurant zum Beispiel.

Spielt Gastronomie wirklich so eine große Rolle?

Und ob, besonders in Österreich. Das hat verschiedene Gründe. Ernährung ist Teil des individuellen persönlichen Lebensstiles geworden. Da wir alle einen Großteil unserer Lebenszeit mit Arbeit verbringen ist es nur logisch, dass dieser Aspekt auch im Arbeitsleben eine erhebliche Rolle spielt. Essen ist zu einem ganz großen Thema in der öffentlichen Diskussion geworden. Schauen Sie sich doch einmal auf Pinterest um. Wahrscheinlich 80 % der Bilder beschäftigen sich mit dem Thema Essen. Einen ähnlichen Trend erleben wir gerade rund um den Kaffee. Deshalb spielt die Gastronomie im Arbeitsumfeld so eine wichtige Rolle, wobei wir nicht von Kantinen sprechen. Da sind die Anforderungen von MitarbeiterInnen heute meilenweit entfernt davon. Wir sprechen heute von Mitarbeiter-Restaurants die in ihrem Angebot auf unterschiedliche Nutzergruppen eingehen und großen Wert auf Angebotspräsentation und Sortimentsauswahl legen.

Haben sich auch räumlich die Anforderungen geändert?

Absolut, das Mitarbeiter-Restaurant wird immer mehr zum multifunktionalen Begegnungsraum und Co-Working-Space. Das hat einen doppelten Nutzen. Es erfüllt die Erwartungen der Nutzergruppen und führt gleichzeitig zu einer Optimierung der Fläche und manchmal sogar zu Einsparungsmöglichkeiten. Das ist ein Potential, das von KMUs derzeit noch viel zu wenig genutzt wird.

Welches Einsparungspotential sehen Sie?

Gerade die neuen agilen Arbeitsprozesse erfordern es, dass sich Projektteams mit einander abstimmen. Oft sind das nur kurze Meetings, es braucht aber einen passenden Raum dazu und Meetingräume sind häufig Mangelware. Anstatt jetzt aber neue Besprechungsräume zu bauen und damit die Mietkosten zu erhöhen wäre eine Option, das Mitarbeiter-Restraunt wie vorhin erwähnt umzugestalten und mehr aus der Fläche zu holen. Geschickt gemacht, führt das sogar zu einem dreifachen Nutzen: Platz optimiert und dadurch Mietkosten gespart, Kommunikation gefördert, Mitarbeiter-Restaurant attraktiver gemacht.

Gibt es dafür entsprechende Konzepte?

Ja, allerdings sei vorausgeschickt: Kein Unternehmen gleicht dem anderen. Wir haben Konzeptansätze, diese müssen aber immer auf die Bedürfnisse und Anforderungen des einzelnen Unternehmens und den darin vertretenen Nutzergruppen abgestimmt werden.

Was soll nun ein Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens tun, der sich mit dieser Thematik beschäftigt?

Erst einmal das Gespräch suchen und alle Möglichkeiten beleuchten. Wir bieten beispielsweise eine erste Nutzergruppen-Analyse an. Diese ist kostenfrei und unverbindlich, sagt aber schon sehr viele über die Bedürfnisse vor Ort aus. Dann kann man immer noch entscheiden, ob man z.B. eine vertiefende Analyse oder einen ersten Design Thinking Workshop machen will.

WORK REIMAGINED TRANSPARENT HI RES